Warum eine Praxis einen Hygieneplan hat
Nach § 23 Abs. 3 des Infektionsschutzgesetzes müssen auch die Leitungen von Arzt-, Zahnarzt- und psychotherapeutischen Praxen sowie von Praxen sonstiger humanmedizinischer Heilberufe die Maßnahmen treffen, die nach dem Stand der medizinischen Wissenschaft nötig sind, um Infektionen zu verhüten. Werden die Empfehlungen der zuständigen Kommission beim Robert Koch-Institut (KRINKO) beachtet, wird vermutet, dass dieser Stand eingehalten ist.
Einen schriftlichen Hygieneplan verlangt das Gesetz ausdrücklich etwa von Krankenhäusern und Einrichtungen für ambulantes Operieren. Für Arzt- und Zahnarztpraxen können die Bundesländer das per Verordnung vorschreiben, vor allem wenn invasive Eingriffe vorgenommen werden. Welche Pflichten für Ihre Praxis im Einzelnen gelten, klären Kammer, Kassenärztliche bzw. Kassenzahnärztliche Vereinigung oder das Gesundheitsamt verbindlich.
Unabhängig von der Pflicht ist ein Hygieneplan das Werkzeug, mit dem eine Praxis ihre Abläufe festhält: Händehygiene, Umgang mit Instrumenten, Abfall, Wäsche – und die Reinigung und Desinfektion von Flächen.
Reinigen oder desinfizieren?
Reinigung entfernt Schmutz, Staub und organische Rückstände und senkt dabei auch die Zahl der Keime. Desinfektion tötet oder inaktiviert Krankheitserreger gezielt mit einem dafür geprüften Mittel. Beides ist nicht austauschbar: Eine stark verschmutzte Fläche lässt sich nicht zuverlässig desinfizieren, und eine nur gereinigte Fläche ist nicht desinfiziert.
Ob eine Fläche gereinigt oder desinfizierend gereinigt wird, hängt vom Infektionsrisiko ab. Viele Praxen setzen Präparate aus der Desinfektionsmittel-Liste des Verbunds für Angewandte Hygiene (VAH) ein. Entscheidend sind die richtige Konzentration und die Einwirkzeit. Bei Flächen ist das Wischen dem Sprühen in der Regel vorzuziehen, weil die mechanische Wirkung hinzukommt und weniger Sprühnebel entsteht.
Räume und Flächen nach Risiko einteilen
Ein praxistauglicher Reinigungsplan teilt die Räume nach Risiko ein und unterscheidet innerhalb der Räume nach Art der Fläche. Eine gängige Einteilung sieht so aus:
- Bereiche ohne erhöhtes Infektionsrisiko: Büro, Flur, Sozialraum – hier genügt in der Regel die Reinigung.
- Bereiche mit möglichem Infektionsrisiko: Wartezimmer, Patiententoiletten, Untersuchungs- und Behandlungsräume – Kontaktflächen werden hier häufig desinfizierend gereinigt.
- Bereiche mit besonderem Infektionsrisiko: etwa Eingriffsräume – hier gelten die strengsten Vorgaben, die die Praxis besonders genau festlegt.
- Flächen mit häufigem Hand- und Hautkontakt: Türklinken, Lichtschalter, Armlehnen, Liegen, Tresen, Armaturen.
- Flächen mit wenig Kontakt: Böden, Wände, hohe Regale, Fensterbänke.
Farbsystem und Tuchwechsel
Damit Keime nicht von der Toilette zum Waschbecken oder auf den Empfangstresen wandern, arbeiten viele Reinigungsteams mit farbig gekennzeichneten Tüchern und Eimern. Verbreitet ist ein Vier-Farben-System: Rot für WC und Urinal, Gelb für Waschbecken und Fliesen im Sanitärbereich, Blau für Möbel und allgemeine Flächen, Grün für Küchen- oder Behandlungsbereiche. Entscheidend ist nicht die Farbe selbst, sondern dass die Zuordnung feststeht und alle sie kennen.
Genauso wichtig: Benutzte Tücher werden nicht wieder in die Reinigungs- oder Desinfektionslösung getaucht. Tücher und Wischbezüge werden nach Gebrauch gewechselt und anschließend aufbereitet oder entsorgt.
Was nicht zur Reinigungsfirma gehört
Eine klare Grenze schützt Ihr Team, die Reinigungskräfte und die Patientinnen und Patienten:
- Aufbereitung von Medizinprodukten: Instrumente, Übertragungsinstrumente oder Sonden bereitet dafür qualifiziertes Praxispersonal nach den Vorgaben der Medizinprodukte-Betreiberverordnung auf.
- Desinfektion zwischen zwei Behandlungen: Liege, Behandlungsstuhl und patientennahe Arbeitsflächen desinfiziert das Praxisteam nach jeder Behandlung.
- Spitze und scharfe Gegenstände: Kanülen und Skalpelle gehören in durchstichsichere Abwurfbehälter, die die Praxis verschließt und entsorgt. Reinigungskräfte greifen nicht in Abfallbehälter.
- Verschmutzungen mit Blut oder anderen Körperflüssigkeiten: Sie werden sofort nach Plan beseitigt, in der Regel vom Praxisteam und nicht erst bei der Reinigung am Abend.
Typische Schwachstellen im Alltag
Oft hapert es nicht an den Regeln, sondern an der Umsetzung. Diese Punkte sollten Praxisteam und Reinigungskräfte im Blick behalten:
- Desinfektionsmittel werden nach Gefühl statt nach Dosiertabelle angesetzt.
- Die Einwirkzeit wird nicht abgewartet, weil die Fläche sofort wieder gebraucht wird.
- Reinigungs- und Desinfektionsmittel werden gemischt, obwohl das die Wirkung beeinträchtigen kann.
- Angesetzte Lösungen stehen zu lange, obwohl sie nur begrenzt haltbar sind.
- Niemand fühlt sich für das Spielzeug im Wartezimmer oder die Tastatur am Empfang zuständig.
Ein Reinigungsplan, der funktioniert
Der Reinigungs- und Desinfektionsplan beantwortet für jeden Bereich fünf Fragen: Was wird gereinigt oder desinfiziert? Wann und wie oft? Womit, in welcher Konzentration und mit welcher Einwirkzeit? Wie wird vorgegangen? Wer ist zuständig?
Hängen Sie den Plan dort aus, wo er gebraucht wird, zum Beispiel im Putzmittelraum. Wer reinigt, sollte in Plan, Mittel und Vorgehen eingewiesen sein. Halten Sie außerdem fest, wann welche Bereiche gereinigt wurden, etwa mit einer Checkliste. Das schafft Nachvollziehbarkeit, wenn das Gesundheitsamt die Praxis begeht oder wenn im Team Fragen aufkommen.
Abstimmung bei der Besichtigung
Bevor RAMKA in einer Praxis beginnt, sehen wir uns bei einer Besichtigung vor Ort die Räume an und gehen den Hygieneplan mit Ihnen durch. Wir klären, welche Flächen wir reinigen und welche desinfizierend, welche Mittel Sie vorgeben, ab wann niemand mehr in der Praxis ist und wie der Zugang geregelt wird.
Daraus entsteht ein Angebot aus dem Angebotsbaukasten mit fixen Preisen. Halten Sie zur Besichtigung am besten Grundriss, Hygieneplan und die Liste Ihrer Desinfektionsmittel bereit. Anmerkungen aus dem Team nach dem Start nimmt unser digitales QM-Tool auf und gibt sie ohne Verzögerung an die zuständigen Mitarbeitenden weiter.